Im Gespräch mit.. MARIO DIRKS

Portrait Mario Dirks

Vielen Dank für das Interview, Mario. Ich habe dein Portfolio ja bereits bei Facebook und auf deiner Webseite bewundern dürfen. Für alle, die dich noch nicht kennen sollten:

Verdienst du mit der Fotografie dein Geld oder was machst du beruflich ?  
Ja, ich verdiene meinen Lebensunterhalt tatsächlich mit der Fotografie

Mario, wie bist du zur Fotografie gekommen ?
Ich habe mir als Kind ein Comic gekauft, einige ältere von den Lesern kennen es vielleicht noch: „YPS mit Gimmick“. Da war eine einfache Lochbildkamera dabei zum selber basteln. Das hat mich sehr fasziniert und war quasi der Beginn meiner Fotoleidenschaft.

-Wo liegt dein fotografischer Schwerpunkt ?
Aufgrund meiner Auftragsarbeiten für Industrie und Firmen oder meiner Workshops und Seminare zu allen möglichen Themen der Fotografie, habe ich tatsächlich gar keinen richtigen Schwerpunkt. Ich fotografiere aber gerne Menschen. Da ich auch sehr viel in der Welt unterwegs bin aber ebenso gerne Landschaft & Architektur.

Porträt Anica

Wie sieht ein typischer (fotografischer) Tag im Leben des Mario Dirks aus ?
Ich stehe morgens sehr früh auf. Nach dem Frühstück fahre ich in meine Fotostudio und dann kommt die Arbeit, die wesentlich mehr Zeit in Anspruch nimmt, als die eigentlichen Fotos zu machen nämlich:

Fotos der Kunden auswählen und bearbeiten, Akquise, Mails beantworten, Social Media, Angebote & Rechnungen schreiben, Seminare und Workshops planen und vorbereiten u.v.m.  Zwischendurch das ein oder andere Business Shooting im Studio, oder mal eben 6 Stunden mit dem Auto zu einer großen Industrie fahren um dort am Abend die Maschinen und Ausleuchtung zu fotografieren.

Portrait David

Du bist ja auch viel auf Reisen.. aber du hast auch noch ein klassisches Fotostudio in Oldenburg. Lässt sich das vereinbaren ? Oder nutzt du es nur noch für eigene Projekte ?   
In meinem Studio in der Oldenburger Innenstadt befindet sich auch mein Büro und natürlich all mein Fotoequipment. Hier werden Schauspiel, People & Business Fotos gemacht, aber auch Produktfotos für diverse Marken und Firmen.  Ich nutze es aber auch für meine Seminare & Workshops, die teilweise auch in Oldenburg statt finden. Natürlich steht es während meiner Reisen leer und ich muss Miete dafür zahlen. Aber ich fühle mich dort sehr wohl.

Ich ahne es zwar schon.. aber es wäre spannend zu wissen, wer deine fotografischen Vorbilder sind..
Ich mag die Arbeiten von Peter Lindbergh sehr, aber vor allem mag ich ihn als Mensch. Er ist trotz seines großen Erfolges auf dem Boden geblieben.

Das selbe kann ich von Jim Rakete behaupten. Vor einiger zeit schrieb ich ihm eine mail und habe ihn nach seinen Hintergründen gefragt, die er für seine Shootings benutzt. Kurze Zeit später bekam ich eine sehr lange Antwort von ihm, in welcher er mir akribisch beschrieb, wie er seine Hintergründe herstellt. Das sich ein so bekannter Fotograf sich die Mühe gibt, mir so ausführlich zu antworten, das finde ich großartig. Daraus hat sich eine Freundschaft entwickelt…

Porträt eines Sikh

Was macht für dich ein gutes Bild aus ? 
Ein gutes Foto muss vom ersten Blick faszinieren und den Betrachter sofort in seinen Bann ziehen. Wenn man länger als 3 Sekunden auf das Foto schaut und das Kopfkino anfängt zu arbeiten dann ist es für mich ein gutes Foto. Dabei muss es technisch überhaupt nicht perfekt sein. Es kann unscharf oder verwackelt sein das ist gar kein Problem. Wenn es mich emotional berührt, man mitfiebert und die Leidenschaft des Fotografen spürt dann ist es gut…

Model vor Fallschirm

Hast du eine deiner Fotografien vor Augen bei der du sagen würdest, Ja, das ist meine beste Aufnahme ? 
Nein, ich denke eine beste Aufnahme gibt es  in diesem Sinne von mir nicht. Jeder versucht sich in dem was er kann, ja stetig zu verbessern. Die beste Aufnahme wird wahrscheinlich das „letzte Foto“ sein, was ich in meinem Leben mache…

Du gibst ja auch Workshops/Seminare an außergewöhnlichen orten wie z.B. New York, Sydney oder Singapur.. magst du uns etwas darüber erzählen ?
Ja natürlich gerne…vor 2 Wochen war ich erst wieder mit 8 Teilnehmern in New York. Reisen macht grundsätzlich ja viel Spaß, aber in Metropolen wie Singapur, New York, Sydney usw. unter professioneller Anleitung mit Gleichgesinnten zu Fotografieren ist schon etwas ganz besonderes.

Nachtansicht von Tokio

Alle haben das selbe Ziel: Die Stadt, die Menschen, die Kultur usw. möglichst individuell und auf eigene Art und Weise festzuhalten. Das funktioniert nur wenn alle mitmachen. Mit dem eigenen Partner zu verreisen und Fotos zu machen ist meist schwierig, wenn der Partner nicht das selbe Hobby teilt. Da kann es schnell zum Ehekrach kommen, wenn man mehr als 2 Fotos vom selben Motiv machen möchte. Auf meinen Workshops in der Welt ist es anders. Jeder hat die Zeit und Ruhe die er für sein Foto braucht.

Zusätzlich noch jemanden der ihm die geheimen Spots und Perspektiven zeigt und ihm auch in technischen Fragen mit Rat und Tat zur Seite steht. Abends wird gemeinsam gegessen, sich ausgetauscht, gelacht und auch das ein oder andere Bier getrunken. Das ist immer ein großer Spaß und ich habe viele „Wiederohlungstäter“ was für meine Workshops spricht. Als Beispiel: Von den 8 New York Teilnehmern 2016 haben 6 im Anschluß gleich den Singapur Workshop 2016 gebucht. 

Plakat New York

Letztes Jahr bin ich mit einer Gruppe für 10 Tage nach Island geflogen.   Im kommenden Jahr 2020 geht es u.a. wieder nach Island und nach New York.

Du warst ja auch u.a. 5 Wochen in der Antarktis, wie bereitet man sich darauf vor ?
Ja ich war als Fotoreferent 5 Wochen in der Antarktis unterwegs, um den Mitreisenden zu zeigen, wie man beeindruckende Tier und Landschaftsaufnahmen macht. Das war schon eine besonderer Job und eine Herausforderung. Die Antarktis hat ein sehr extremes Klima. Dort gibt es die tiefsten Temperatur die jemals gemessen wurden. Der Rekord liegt bei -100°C .

Sebastian

Dementsprechend musste natürlich auch die Kleidung ausgewählt werden. Ich hatte 2 Kamerabodies mit. Diverse Objektive und viele Akkus ! Die Akkus entladen bei den Temperaturen unheimlich schnell. Für die Tierfotografie hatte ich diverse Tele,- und für die Landschaftsfotografie dementsprechende Weitwinkelobjektive dabei.

Wir starteten an der Südspitze Südamerikas in Ushuaia und machten in den 5 Wochen eine Halbumrundung der Antarktis bis nach Neuseeland. Es war gigantisch! 

Riesige Eisberge, eine großartige Tierwelt: Wale, Pinguine, Seelöwen, Robben u.v.m.  Wir haben u.a. die alte Hütte von Robert Falcon Scott gesehen, von welcher er 1911 mit seinem Team aufbrach um den Südpol zu entdecken. Sie überlebten diese Expedition im Wettkampf mit Amundson nicht…

Ich könnte ein ganzes Buch über diese Reise schreiben…

Am wichtigsten bei solch einer Reise sind aber Reisetabletten, Kaugummis, Pflaster, denn der weg zur Antarktis führt durch die berüchtigte Drake Passage – Die gefährlichte Wasserstraße der Welt… 

Hier kann es bis zu haushohe Monsterwellen und Sturm geben und es sind schon über 800 Schiffe dieser 815 KM langen Passage zwischen Feuerland und der Antarktis zum Opfer gefallen.

Mario Shillouette auf einem Berg bei Sonnenuntergang

Hast du ein bestimmtes Motiv im Kopf, welches du 1x im Leben fotografieren möchtest, aber bislang noch nicht gemacht hast ?
Ich würde gerne mal ein Portrait von Peter Lindbergh oder Wim Wenders machen und einen Eisbären am Nordpol fotografieren…

Wieviel Zeit investierst du im Schnitt für die Nachbearbeitung deiner Bilder am Computer ?
Die meiste Zeit nimmt die Auswahl und RAW Entwicklung in Anspruch. Ich arbeite nicht so viel in Photoshop, außer es handelt sich um Beautyportraits…

Aber das Verhältnis Fotografie & Nachbearbeitung beträgt ca 50/50..

Was sind deine Ziele für die nächsten 1-2 Jahre ?
Noch mehr Reisen und noch spannendere Fotos.. 😉 

Einraumfahrer im Sonnenuntergang

Welches ist deine liebste Webseite / Buch / Blog o.ä. über Fotografie und warum ?
Ich schaue mir gerne Fotobücher unterschiedlichster Fotografen an und lasse mich durch die Fotos inspirieren. Eins meiner Lieblingsbücher ist das Buch „A different way of fashion Photography“ von Peter Lindbergh gefolgt von 1/8 sec. Von Jim Rakete. 

Wieviel Zeit investierst du für Social Media ? (Blog, Netzwerke..)
Zu viel ! …lacht… mittlerweile findet die ganze Akquise nur noch über mail und Internet statt. Um auf sich aufmerksam zu machen, sind Instagram, Facebook, Webseite einfach nicht mehr wegzudenken.

Echse in Madagascar

Wo wir gerade beim Thema „Internet“ sind: Beim surfen ist mir ein Buch aufgefallen, bei dem du als Autor genannt wirst Schreibst du auch Bücher ?
Ich schreibe Artikel für bekannte Fotozeitschriften und produziere Lernvideos und DVDs.  Vor einigen Jahren war ich für die Firma SIGMA 50 Wochen in der ganzen Welt unterwegs, um die schönsten Spots u.a. auf Bora Bora, Hawaii, Peru, Indien, Neuseeland , Australien usw. zu fotografrieren. Über diese reise habe ich ein Buch geschrieben, in welchem natürlich auch viele Fotos der Reise zu sehen sind.

Gruppenbild Massai

Wo zeigst du deine Bilder am liebsten ?
Am liebsten großformatig auf Aludibond bei meinen Fotoausstellungen. Z.B. auf der Photokina in Köln oder der Frankfurter Buchmesse. Aber natürlich auch gerne auf Instagram und Facebook

Findest du es wichtig, die eigenen Bilder auch zu drucken ?
Ja, unbedingt! Heutzutage schlummern viele gute Fotos nur auf der Festplatte.  Ausgedruckt machen sie viel mehr her… 😉 Bei mir im Studio hängen viele meiner Fotos ausgedruckt an der Wand und ich freue mich jeden Tag erneut darüber..

Mono Lake bei Nacht

Gibt es einen Tip, den du gerne an andere Fotografen weitergeben würdest ?
„Break the Rules“… probiert aus, experimentiert…es gibt eigentlich kein richtig oder falsch versucht nur das zu fotografieren was euch Spaß macht !

Maria vor der Kulisse in New York

Was darf in diener Kameratasche auf keinen Fall fehlen ?
Meine Filter von der Fa. Rollei:  Polfilter, Grau und Grauverlauffilter.

Gera in Venedig

Vielen Dank Mario für dieses Interview ! Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und ich bin mir sicher, das wir uns noch öfters über den Weg laufen 🙂